Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Industrie 4.0 stellt längst niemand mehr in Frage. Kerntreiber ist die zunehmende Digitalisierung, die in immer höherem Tempo in das produzierende Gewerbe vordringt und dort einen massiven Wandel der Geschäfts- und Fertigungsprozesse auslöst. Daraus ergeben sich große Kostensenkungs- und Wachstumspotenziale für die einzelnen Unternehmen und die gesamte Branche. Offen blieb bisher jedoch die Frage, inwieweit die IT-Systeme im produzierenden Gewerbe auf Industrie 4.0 vorbereitet sind. Erste Antworten darauf liefert der IT Innovation Readiness Index 2014, eine Studie für die bereits zum zweiten Mal das Marktforschungsinstitut Pierre Audoin Consultants im Auftrag der Freudenberg IT rund 140 Fertigungsbetriebe befragte. So haben 2014 rund 70 Prozent aller Firmen im industriellen Mittelstand Interesse an dezentral vernetzten, selbststeuernden Fertigungsprozessen oder haben diese bereits implementiert – ein Wachstum von rund  50 Prozent im Vergleich zu 2013. Innerhalb eines Jahres  stieg zudem die Anbindung des Shop Floors an den Top Floor um zehn Prozentpunkte auf 67 Prozent. Auch die Verbreitung IT-gestützter Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE) liegt mittlerweile bei rund 68 Prozent – ein Zuwachs von 15 Prozent gegenüber 2013. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fertigungsindustrie der Transformation in Richtung Industrie 4.0 mittlerweile eine hohe Bedeutung beimisst.

Das ist auch notwendig, denn Deutschland gilt als Treiber bei Industrie 4.0 und kann in wenigen Jahren eine Vorreiterrolle einnehmen – aber nur, wenn branchenübergreifende Standards geschaffen werden und die Vision von Industrie 4.0 Wirklichkeit wird. Dazu müssen IT, produzierendes Gewerbe und Logistik eng zusammenarbeiten,  um diese Standards gemeinsam zu etablieren. Denn mittelständische Fertigungsunternehmen stehen zunehmend unter dem Druck, eine detaillierte Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte zu gewährleisten und ihre Prozesse im Sinne einer Null-Fehler-Produktion zu optimieren. Vor allem Automobilzulieferer stehen zusätzlich vor der Herausforderung, eine wachsende Vielfalt unterschiedlicher Produktvarianten möglichst effizient auch in kleinen Losgrößen zu fertigen. Gerade vor dem Hintergrund der immensen volkswirtschaftlichen Bedeutung des industriellen Mittelstands sollte die Überwindung bestehender Hemmnisse für die Umsetzung von Industrie 4.0 mit höchster Priorität behandelt werden.

Horst Reichardt

Posted by Horst Reichardt

CEO der Freudenberg IT

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