Die Strahlkraft des Silicon Valley ist enorm. Die Produkte und Leistungen aus dem Silicon Valley halten seit Jahren Einzug in deutsche Unternehmen, und seit einiger Zeit nimmt auch das Interesse an den dort verwendeten Führungs- und Arbeitsmethoden zu. Nicht zuletzt die sprunghaft-exponentielle Entwicklung von Unternehmen wie Facebook und Google und die Verbreitung ihrer Technologien haben das Interesse an den Arbeitsmethoden dieser Unternehmen befeuert.

Zudem geben sich die Innovationsführer aus dem Silicon Valley recht freizügig. Es scheint kaum Geheimnisse rund um die Arbeitsmethoden zu geben. Unternehmen wie z.B. Google gewähren sehr umfassende Einblicke in die Firmenkultur und legen Methoden, Prinzipien, Instrumente offen. Nachteile daraus werden offenbar nicht gefürchtet; es gehört zum Kodex, zum Selbstverständnis und auch zum Selbstvertrauen, sich der Kritik der Öffentlichkeit auszusetzen. Diese offene und transparente Form der Kommunikation dürfte das Interesse an den Arbeitsweisen zusätzlich beflügeln. Es gibt in Unternehmen viele Fragen, etwa:

  • Wie genau arbeiten die Unternehmen?
  • Was machen sie anders als deutsche Unternehmen?
  • Was kann man lernen?
  • Was lässt sich möglicherweise auf den eigenen Bereich übertragen? 

Wenn die Instrumente des Silicon Valley im deutschen Sprachraum tatsächlich angewendet werden, dann nicht in einem Vakuum, sondern einerseits unter anderen Bedingungen als in US-amerikanischen Unternehmen, andererseits im spezifischen Kontext, der sich mit dem Stichwort Industrie 4.0 beschreiben lässt. Uns fiel im Vorfeld der Vorbereitung zu dem Buch auf, dass von Prof. Andreas Syska (Hochschule Niederrhein) eine deutsche und eine amerikanische Sicht auf Industrie 4.0 beschrieben wurde. Demnach wird der Erfolg von Industrie 4.0 hierzulande begrenzt, weil das Konzept – vertikal betrachtet – als ein „Kind der Stückfertigung kleiner Serien nach dem Verrichtungsprinzip“ (Syska, 2017) gesehen wird. Damit wird das Thema stark auf die Fabrik und interne Produktionsprozesse begrenzt, Produktentwicklung und Marketing werden ausgegrenzt.

In den USA werde das Thema hingegen horizontal, also vom Kunden her und über die gesamte Prozesskette gedacht. Mit diesem Zugang werden Produkte, die Supply-Chain und die Fabrik neu vernetzt. Erst so können die sog. „hybriden Produkt-Dienstleistungsbündel“ entstehen, die einen besonderen Schutz im Wettbewerb darstellen können. Zugespitzt formuliert Syska: „Die Amerikaner erzeugen Märkte, die Deutschen tüfteln an Schnittstellen. …. Der Deutsche fragt: Wie bringe ich das ans Laufen? Der Amerikaner fragt: Welches Geschäft kann ich damit machen?“.

Diese Fragen waren uns Anregung und Motivation für dieses Buch. Denn nachdem wir selbst ein paar Bücher zu diesen neuen Ansätzen gelesen hatten, entstand das Gefühl, dass die Konzepte interessanter sind, als wir es ursprünglich hinter der Fassade der Modeerscheinung vermutet hätten. Nicht alles ist neu, aber vieles ist konsequent weitergedacht und mit Instrumenten hinterlegt worden.

Quelle: http://www.springer.com/de/book/9783662548844

_____________________________________

In Zeiten des digitalen Wandels funktioniert Kompetenzmanagement nicht ohne erfolgreichem Change Management. Lesen Sie mehr dazu in unserer Perspektive über Change Management 4.0.

Sven Grote

Posted by Sven Grote

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.